Übertragbares Ausbildungsprogramm im Bereich Fachübersetzen für Lehrende und studierende

 

IO2 Zusammenfassung

Das Ausbildungsprogramm wurde auf Basis des Kompetenzmodells, welches im Rahmen von Output 1 für FachübersetzerInnen entwickelt und in Form von Lernergebnissen konzipiert wurde, erstellt, und soll als übertragbares Modell für andere Institutionen mit ähnlichen Studienrichtungen dienen. Wir haben das Programm unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der Studierenden, der Expertise der Lehrenden und der wichtigsten Veränderungen im Übersetzungsmarkt gemäß dem sogenannten Wissensdreieck bestehend aus Forschung, Bildung und Innovation erstellt. Unsere Intention ist, ein Programm zu entwickeln, das hoffentlich ausreichend Bausteine für die Ausarbeitung von Curricula bietet, sodass an jeder Hochschule ein eigenes, an lokale Bedürfnisse angepasstes Programm entwickelt werden kann.

Die individuellen Anforderungen der drei oben genannten Akteure wurden bei der Erstellung des Kompetenzrahmens bereits berücksichtigt. In Output 1 wurden die neuesten Forschungsergebnisse von EUATC, EMT und CIUTI untersucht,[1], und im ersten Abschnitt von Output 2 wurden zwei verschiedene SWOT-Analysen durchgeführt,[2] um sowohl die europäische als auch die nationale Perspektive zu repräsentieren.

Die erste SWOT-Analyse (Anhang 1: SWOT – Europäische Perspektive) wurde von der Universität Wien durch Recherche zusammengetragen. Sie untersucht Best Practices in Ausbildungsprogrammen für ÜbersetzerInnen, um zu bestimmen, inwiefern die Curricula den Anforderungen des Arbeitsmarkts entsprechen.  Die zweite SWOT-Analyse (Anhang 2: SWOT – Ungarische Perspektive) basiert auf einer Befragung und Interviews, die von der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest (BME) durchgeführt wurden. Zwölf ungarische Institute, die ÜbersetzerInnen ausbilden, waren daran beteiligt. Aus der SWOT-Analyse konnten wertvolle Erkenntnisse gewonnen werden; nicht nur für eTransFair, sondern für alle 12 beteiligten Universitäten (siehe die Zusammenfassung in [in Druck] Hilóczki, Á. (Hg.) Fókuszban a fordítás értékelése. [Übersetzungsbeurteilung im Fokus]. Tagungsbericht der Herbsttagung des BME INYK Tolmács- és Fordítóképző Központ (Zentrum für Translationswissenschaft der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest), welche von 28. bis 29. September 2017 in Budapest stattfand.[3]

Das eTransFair-Ausbildungsprogramm wurde in Abstimmung mit den Anforderungen, die im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) dargelegt werden, sowie mit den Nationalen Qualifikationsrahmen (NQF), die für jeden EU-Mitgliedsstaat erarbeitet wurden, erstellt[4].

Anhang 3 (Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen und Fächer) und Anhang 4 (Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen, Fächer und spezifische Fähigkeiten) von Output 2 wurden so konzipiert, dass sie die wichtigsten Erkenntnisse von Output 1 widerspiegeln. Es sollten Elemente (Module) einbezogen werden, die darauf abzielen, die Beschäftigungsfähigkeit der Studierenden auf dem Markt zu erhöhen. Die im Programm hervorgehobenen Schwerpunkte werden auch in den Inhalt der sieben e-Module einfließen[5], welche später im Zuge von Output 3 erarbeitet werden. Diese e-Module werden all jenen Instituten, die an der Pilotphase des neuen Programms von eTransFair teilnehmen wollen, zur Verfügung gestellt.

Sowohl Anhang 3 (Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen und Fächer) als auch Anhang 4 (Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen, Fächer und spezifische Fähigkeiten) listen die Module, die vor dem Akkreditierungsverfahren der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest (BME) 2016[W1]bestimmt wurden, auf. Aufgrund langwieriger Verwaltungsverfahren, die nach den einschlägigen ungarischen Bestimmungen erforderlich sind, musste eine vorläufige Version des Programms bereits in einer frühen Phase des Projekts eingereicht werden. Das Ausbildungsprogramm, das in Ungarn in dieser anfänglichen Phase akkreditiert wurde, beinhaltet daher nicht alle Module, die in Output 1 bestimmt wurden und die eTransFair als relevante Bausteine eines idealen Ausbildungsprogramms, welches auch in andere Länder übertragbar ist, empfiehlt. Sobald die e-Module von Output 3 finalisiert sind, werden sie in das aktuelle Programm aufgenommen. Es wird ein neues Akkreditierungsverfahren für einen Vollzeit-E-Learning-Kurs in die Wege geleitet, in dem die neuen Projektergebnisse eingearbeitet werden. Da alle Ergebnisse von eTransFair ständig überprüft werden, um sicherzustellen, dass neue Entwicklungen und Markttendenzen in unseren Produkten reflektiert werden, gehen wir davon aus, dass das Ausbildungsprogramm weiterhin fein abgestimmt und modifiziert wird; nicht nur während der Projektlaufzeit (2016-2019), sondern auch nach Projektende.

Anhang 3 (Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen und Fächer) basiert auf dem Kompetenzprofil für FachübersetzerInnen, dem Hauptergebnis von eTransFair. Diese Tabelle zeigt die Kompetenzen, aufgeteilt in Wissen, Fähigkeiten und Einstellung, mit einer präziseren Abstimmung auf die möglichen Fächer, welche ebenfalls in Anhang 4 aufgelistet sind. Spalte 2 dieser Tabelle gibt detaillierte Informationen darüber, welches e-Modul für die Entwicklung welcher Teilkompetenz empfohlen wird. Neue (zusätzliche) Fächer sind rot markiert. Für diese Fächer wird in Output 3 ein eigenes e-Modul entwickelt, und jedes dieser Fächer wird wahrscheinlich als eigenständiges Fach Bestandteil einer ergänzenden Akkreditierung sein (für den Vollzeit-E-Learning-Kurs der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest)[6]. Anmerkung: „Übertragbarkeit“ bezieht sich hier auf einen hohen Grad an Flexibilität. Es bedeutet, dass jedes Institut, welches dieses Programm übernehmen möchte, ein Modul entweder als eigenständiges Modul anbieten kann oder ein Modul in ein beliebiges berufs- oder marktbezogenes Fach, wie zum Beispiel Fachübersetzung und Terminologie, oder in ein beliebiges anderes Fach, einbinden kann. „Übertragbarkeit“ (bezogen auf „Anwendbarkeit in anderen Kontexten“) setzt also voraus, dass die Institute relativ frei sind, die Module individuell, ihren eigenen (lokalen/regionalen) Bedürfnissen entsprechend, zu übernehmen, und ihre eigenen Curricula auf die bestmögliche Art und Weise anzupassen.

Anhang 4 (Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen, Fächer und spezifische Fähigkeiten) zeigt eine in Output 1 erarbeitete Liste mit Kompetenzbereichen, die im Profil von FachübersetzerInnen idealerweise vorhanden sein sollten (eTransFair-Kompetenzprofil von Output 1), und Fächern, die potenziell mit diesen Kompetenzen übereinstimmen. Spalte 1 zeigt die individuellen Kompetenzen, Spalte 2 einen vorläufigen Titel für die Fächer, in deren Rahmen eine bestimmte Kompetenz entwickelt werden kann, und Spalte 3 zeigt die Anzahl der ECTS-Punkte (erarbeitet auf Grundlage des Europäischen Systems zur Übertragung und Akkumulierung von Studienleistungen). Spalte 4 zeigt den idealen Zeitpunkt zur Absolvierung des Faches (in welchem Semester das Fach am besten eingeführt werden sollte), während Spalte 5 die Anzahl der Unterrichtsstunden pro Woche für jedes Semester zeigt. Spalte 6 beschreibt, welche spezifischen Fähigkeiten entwickelt werden müssen, um die gewünschten Lernergebnisse zu erreichen; und die letzte Spalte der Tabelle, Spalte 7, enthält eine Empfehlung, ob ein bestimmter Kurs eher verpflichtend oder optional sein sollte.

Das Ausbildungsprogramm wurde für eine Studienzeit von 3 Semestern konzipiert, in der Studierende insgesamt 90 ECTS-Punkte erwerben müssen. Es werden keine erforderlichen Zulassungsbedingungen empfohlen, da sich die benötigten Sprachkenntnisse und andere Voraussetzungen allgemein sehr stark unterscheiden – wie auch die beiden SWOT-Analysen zeigen. Daher führen regionale und lokale Faktoren möglicherweise zu unterschiedlichen Kriterien für die KandidatInnen. 

Die erste Akkreditierung des Ausbildungsprogramms der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest (BME) – ein Pilotprojekt

Das (Blended Learning) Studium Übersetzen (MGT) an der BME [7], welches auf Basis von ersten Ergebnissen von eTransFair akkreditiert wurde, hält sich an die empfohlene Studiendauer (3 Semester) und umfasst insgesamt 90 ECTS-Punkte.

Zulassungsvoraussetzungen: BewerberInnen haben ein Bachelor- oder Masterstudium in einer beliebigen Studienrichtung absolviert. Außerdem müssen sie eine schriftliche und eine mündliche Prüfung bestehen, um zu dem Studium zugelassen zu werden. StudienbewerberInnen an der BME müssen kein Sprachzeugnis vorweisen. Die Prüfungskommission wird entscheiden, ob die Sprachkenntnisse des Bewerbers/der Bewerberin mindestens auf Niveau B2+ oder höher liegen. (Ausbildungsstätten für ÜbersetzerInnen und DolmetscherInnen bieten grundsätzlich keine Sprachkurse an. Die BME bildet hier jedoch eine Ausnahme. Das Studium umfasst relativ viele Kurse zur Entwicklung der Sprachkompetenz, in denen ein besonderer Schwerpunkt auf die Erweiterung des Fachwortschatzes gelegt wird.)

Die Studierenden der BME bekommen nun im Zuge des Mentoring-Programms die Möglichkeit, sich selbst in einem realen Umfeld zu testen. Details zu den Mentoring-Programmen der vergangenen zwei Jahre (mit jeweils einem anderen Programm und Schwerpunkt) finden Sie in Anhang 5 (Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit 1: Beispiel für ein Mentoring-Programm) und in Anhang 6 (Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit 2: Studierende treffen Profis). Letzteres enthält auch eine Beschreibung der anderen Aktivitäten von BME INYK Tolmács- és Fordítóképző Központ (Zentrum für Translationswissenschaft der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest), um Marktteilnehmer in unser Ausbildungsprogramm einzubeziehen.

In Anhang 7 (Soft Skills) von Output 2 finden Sie eine überarbeitete Liste von Soft Skills (allgemeine Fähigkeiten), welche von unseren Projektpartnern während unserer „Train the Trainer“-Veranstaltung in Madrid zusammengestellt wurde.

Kommentare – weitere Elemente der Übertragbarkeit:

  • Wie bereits an anderer Stelle betont wurde, ist die Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest kein Mitglied im Netzwerk European Master's in Translation (EMT). Daher wird  Sprachkompetenz nicht als Selbstverständlichkeit erachtet. Um sicherzustellen, dass Studierende das erforderliche Sprachniveau erreichen (mindestens C1), bieten wir eine ganze Reihe von Sprachkursen an (sowohl für die Erstsprache (L1) als auch für Zweitsprachen (L2)), in denen alle vier Fähigkeiten entwickelt werden.
  • Unter dem Titel „Thematische Hintergrundstudien“ bieten wir unter anderem Terminologiearbeit in den Bereichen Recht, Wirtschaft, Technologie, Sozialwissenschaften und Europäische Union an. Dieses Modul kann aber auch je nach Bedarf durch den Besuch anderer, fachspezifischer Lehrveranstaltungen absolviert werden.
  • Forschung ist im Kompetenzprofil, welches im Rahmen von Output 1 entwickelt wurde, nicht stark vertreten. Manche Universitäten (vor allem jene, die Teil des EMT-Netzwerks sind), legen jedoch großen Wert auf dieses Modul (siehe auch Anhang 1 von Output 2), während andere (wie die Universität Wien oder die Technische und Wirtschaftswissenschaftliche Universität Budapest) sich mehr auf marktspezifische Kompetenzen und die Entwicklung solider Kenntnisse der Terminologie konzentrieren. 

Weitere Ergebnisse von Output 2:

  • Ein weiteres Projektergebnis ist das Austauschprogramm zwischen der Technischen und Wirtschaftswissenschaftlichen Universität Budapest (BME) und der Universität Wien. All jene, die an der Universität Wien Ungarisch als C-Sprache studieren [8], können ein Semester an der BME verbringen, während Studierende der BME (diejenigen, die das Vollzeitstudium GMEU absolvieren, siehe Anmerkung 6) mit Deutsch als B-Sprache [9] für ein Semester an der Universität Wien studieren können.

 

Anhänge zu Output 2:

Anhang 1: SWOT – Europäische Perspektive

Anhang 2: SWOT – Nationale (Ungarische) Perspektive

Anhang 3: Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen und Fächer

Anhang 4: Übertragbares Ausbildungsprogramm: Matrix Kompetenzen, Fächer und spezifische Fähigkeiten

Anhang 5: Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit 1: Modell für ein Mentoring-Programm

Anhang 6: Erhöhung der Beschäftigungsfähigkeit 2: Studierende treffen Profis

Anhang 7: Soft Skills

 

 

 


[1] Das eTransFair-Kompetenzprofil für FachübersetzerInnen zielt nicht darauf ab, das Kompetenzmodell von EMT zu ersetzen. Es dient dazu, die notwendigen Kompetenzen für die Gruppe der FachübersetzerInnen näher zu konkretisieren.

[2] Im Projektantrag war eigentlich nur eine SWOT-Analyse vorgesehen. Dementsprechend kann dies als zusätzliches Projektergebnis mit hohem Mehrwert gesehen werden.

[3] Das ist eines der ersten Ergebnisse von Output 4, Pool of Assessment Techniques (Abk. PAT, Deutsch: Sammlung von Beurteilungsmethoden).

[4] Die Benennungen Kompetenz, Fähigkeit, Wissen, Einstellung und Lernergebnisse werden in Output 1 in Übereinstimmung mit dem Europäischen Qualifikationsrahmen verwendet.

[5] Die sieben e-Module von Output 3 tragen die folgenden Titel: Terminologie, Revision und fachliche Prüfung, Lokalisierung, Technologische Kompetenz, Qualitätsmanagement, unternehmerische Fähigkeiten, Projektmanagement. Diese Module sollen aktuelle, theoretische und praktische Lernmaterialien für Studierende und Lehrende zur Verfügung stellen.

[6] Das hier mit "MGT" abgekürzte Studium wurde als berufsbegleitender Blended Learning-Kurs für Studierende der Translationswissenschaft akkreditiert. Die BME hat außerdem ein neu akkreditiertes Vollzeitstudium (mit dem Titel GMEU - Abkürzung für Gazdasági, Műszaki és Európai Uniós szakfordító [Spezialisierung in den Bereichen Wirtschaft, Technik und Europäische Union], welches bereits einige der Elemente, die in Output 1 bestimmt wurden, beinhaltet. Das Studium umfasst eigene Fächer für die Bereiche Lokalisierung, Projektmanagement und Projektarbeit. In letzterem werden die Arbeitsbedingungen in einem Übersetzungsbüro simuliert, und der Fokus liegt auf gemeinschaftlich zu erledigenden Aufgaben. Außerdem gibt es eine dreimonatige Praktikumsphase, in der Studierende alle Bestandteile ihrer Ausbildung kombinieren und ihre Kompetenzen verbessern sollen.

[7] Die Fächer des MGT-(Blended Learning) Kurses sind in Spalte 4 von Anhang 3 und Spalte 2 von Anhang 4 aufgelistet.

[8] C-Sprache: eine dritte Arbeitssprache

[9] B-Sprache: eine zweite Arbeitssprache